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Signaturen – Unterschrift in der Kunst

Der Begriff „Signatur“ steht für ein Autogramm, einen Namenszug oder aber auch eine Unterschrift. Die Anfänge der Signatur in der Kunst sind schon in der frühen Antike zu finden. Plinius der Ältere sprach schon 23 n. Chr., in seinem Aufsatz „Epistula praefatoria“ aus der Schrift „Naturalis historia“, von einem Signatur ähnlichen Begriff.

In Kunstwerken wurde zunächst der jeweilige Künstlername mit dem lateinischen Verb „fecit“, hat gemacht, oder „complevit“, hat vollendet, und dem Entstehungsjahr des Kunstwerkes verewigt. Über das Mittelalter hinaus, bis hin zur Renaissance war die Verwendung der Signatur relativ selten. Da die Gemälde und Kunstwerke meist als Auftragsarbeiten entstanden, war oft nur ein „cum privilegio“, mit Genehmigung, oder das Kürzel A.P.D.R., beziehungsweise avec privilege du roi, mit königlichem Privileg, auf den Kunstwerken zu finden. Diese Bemerkung war rechts unten, im nicht bedruckten Teil des Kunstwerkes, vorzufinden. Auf alten Stichen wurde der Künstler meist links vermerkt und der Reproduktionsstecher sowie der jeweilige Drucker wurden rechts im Bild genannt. Auf so genannten Dedikationsexemplaren wurde nur der eigentliche Künstler genannt.

Gegen Ende der Renaissance wuchs das Selbstverständnis der Künstler merklich. Der Künstler zeigte mit seiner Signatur den Stolz auf das eigene Werk und verdeutlichte seine Anerkennung seitens des Auftraggebers. Dieser Vorgang war stark an die antiken Vorbilder angelehnt und ist als Demonstration des künstlerischen Intellekts zu verstehen. Die Künstler personifizierten so ihren Weg vom einfachen Handwerker zu einem eigenständigen Künstler.

Kunsthistorisch hat dieser Vorgang auch einen sehr wichtigen Aspekt, da man mit Hilfe der Signatur in der Lage war, die jeweiligen Kunstwerke gewissen Künstlern zuzuschreiben. Im 14. bis 16. Jahrhundert, als Kunstsammler ihre Kunstwerke noch über einen Händler beziehen mussten, wurde ihnen durch die Signatur zudem die Echtheit des Werkes bestätigt. Ab dem Jahre 1530 spricht man überdies auch von einer paracelsischen Signaturenlehre. Diese Lehre besagt, dass sich die Kraft des Gegenstandes, hier also die Wirkung des Kunstwerkes, sich in und durch die Signatur erst manifestiert. Der Betrachter geht daher davon aus, dass ihm durch das Werk die Seele des Künstlers offengelegt wird.

Ein Beispiel hierfür ist sicherlich das Werk „Study after Velazquez’s Portrait of Pope Innocent X 1953“ von Francis Bacon. Bei diesem Gemälde von Bacon kann man metaphorisch sehen, wie die in dem Werk und dem Schrei des Protagonisten manifestierte Seele Bacons, den Betrachter durch die Signatur erreicht.

Anhand des steigenden „Signaturvorkommens“ ist die zunehmende Wichtigkeit selbiger sehr gut erkenntlich. Zunächst wird die Signatur auf Kunstwerken „als Zeichen der Urheberschaft“ genutzt. Mit Hilfe der Reproduktion in Form von Druckgrafiken erreicht die Signatur den Grad eines Gütesiegels und veranschaulicht zudem den kulturellen Austausch mit anderen künstlerischen Hochburgen wie zum Beispiel Italien. Hierbei ist es mittlerweile nicht mehr von Bedeutung, ob die Signatur rechts unten im Werk, als aufeinanderfolge von Schriftzeichen, oder als Teil der Handlung, zum Beispiel in Form einer Tafel mit dem Namen des Künstlers, mitten im Bild vorzufinden ist.

Dies wird zum Beispiel im Kupferstich „Adam und Eva“ von Albrecht Dürer ersichtlich. Hier ist die Signatur des Künstlers auf einer Tafel, welche Adam hochhält, zu sehen. Eine Signatur gehört seit dem Zeitalter der Renaissance wieder zum so genannten „guten Ton“ und teilweise wirkt es so, als ob Kunstwerke, so gut oder schlecht selbige auch gewesen sein mögen, ohne Signatur weitaus weniger Wert seien, als wenn das Werk eine Signatur tragen würde.

Die sich entwickelnde Notwendigkeit der Signatur war jedoch etwas, was nicht allen Künstlern gefiel. Der Kubist Carlo Carrá hat mit seinem Werk „Interventionistische Manifestation“ einen ersten Gegenentwurf zu dieser Art von „Signaturfetisch“ veröffentlicht. Sein Werk war eine Collage aus Zeitungsartikeln und demonstriert gegen die mediale Reizüberflutung. Carrá war der Meinung, dass die Zitate der Presse und die Signatur des Künstlers wichtiger geworden wären, als das jeweilige Werk und der Künstler selbst. Das war auch der Grund, weshalb er einen Zeitungsausschnitt mit seinem Namen als Signatur nutzte und selbigen in die Szenerie einsetzte.

Die Tatsache, ob die Signatur inzwischen wichtiger geworden sei als das Kunstwerk selbst, war auch ein wichtiges Thema des Dadaismus und Surrealismus. Der Künstler Marcel Duchamp stellte mit seinen Ready-mades zwei Kontroversen zur Schau. Unter dem Pseudonym Richard Mutt veröffentlichte er 1917 ein auf die Seite gelegtes Urinal. Trotz der Tatsache, dass bei der ersten Ausstellung der „Society of Independent Artists“ in New York eigentlich jeder Künstler, für den eigen Beitrag von 6 US Dollar, maximal zwei Werke ausstellen durfte, wurde das Urinal von der Ausstellung ausgeschlossen. Als bekannt wurde, dass Duchamp den Namen R. Mutt als Pseudonym nutzte und das Werk „Fountain“ von ihm war, wurde das Werk plötzlich von höchsten Kreisen angesehen. Er zeigte somit, dass der Name des Künstler mittlerweile fast wichtiger geworden war, als das Kunstwerk selbst. Dies verdeutlichte er mit weiteren Ready-mades, wie zum Beispiel dem Flaschentrockner. Dieses weitere, dem Alltag entrissene, Objekt wurde erst durch Duchamps Person, in Form seiner Signatur, zum Kunstwerk. Dadurch verdeutlichte er nicht nur, dass Kunst ohne einen schon bekannten Künstler hinter dem Werk meist nicht als Kunst angesehen wird, sondern auch, dass man mit einem gewissen Ansehen als Künstler, Gegenstände und Werke, welche eigentlich keine Kunst sind, zu selbiger machen kann.

Die Signatur eines etablierten Künstlers transformiert also den einfachen Gegenstand zum Kunstwerk, wohin gegen ein „Jungkünstler“ Probleme haben wird, sich, zum Beispiel ohne eine großzügige Gönnerschaft, trotz grandioser Werke, einen Namen zu machen. Als weitere Kritiker des Signaturfetisch sind sicherlich Andy Warhol, Marcel Broodthaers, und Hans – Peter Feldmann zu nennen.

Andy Warhol signierte nicht nur aus Gefälligkeit viele Objekte, sondern signierte zudem seine Originalen, Repliken und Nachahmungen, wodurch er die „symbolische Ordnung [...] ausgehebelt“ hat. Des weiteren verschenkte er einige seiner Siebe an die befreundete Künstlerin Elaine Sturtevant und ersetzte bei einigen seiner Werke seine handschriftliche Signatur durch einen Stempel. Durch dieses Vorgehen wollte Warhol seinen bekannten Namen als Symbol für die Aura aus dem Werk herausnehmen und das Kunstwerk als solches auf den Betrachter wirken lassen. Die Kunstwerke sollten für sich selbst sprechen und ihren Wert auf Grund ihrer Qualität sozusagen selbst definieren.

Der belgische Künstler Marcel Broodthaers protestierte mit seinem Gemälde „M.B. M.B. M.B.“ gegen den Stellenwert der Signatur. Bei diesem Werk ist sein Monogramm fünfundzwanzigmal auf die weiße Fläche gemalt und die Kontur eines Eies. Der Name beziehungsweise das Monogramm Broodthaers soll in diesem Werk das nahezu alleinige Kunstwerk sein. Als ein weiterer Gegner des Signatur-Wahnsinns ist sicherlich Hans – Peter Feldmann zu nennen. Feldmann wollte eine „Kunst für alle“ schaffen und signierte somit seine Werke seit den 1960er Jahren nicht mehr. Durch den Versuch, die  Exklusivität aus seinen Werken herauszunehmen, wollte er auch den nicht wohlhabenden Kunstanhängern einen Kauf ermöglichen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass parallel zu der Entwicklung des Selbstverständnisses der Künstlers, sich die Wichtigkeit der Signatur nahezu über den Wert des Werkes entwickelt hat. Es war teilweise nicht mehr die Qualität und die Aura des Werkes wichtig, sondern nur noch der etablierte Künstler hinter dem Werk. Durch die Kritik seitens der Dadaismus, Surrealismus und Pop-Art Künstler wurde dieser Missstand verdeutlicht und wird in der heutigen Kunstszene größtenteils berücksichtigt.

Literaturverzeichnis:

- Duden – Das Synonymwörterbuch. Ein Wörterbuch sinnverwandter Wörter. 4. Auflage, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2006. © Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim

- Daniels, Dieter: Perspektiven der Medienkunst, Hg. ZKM Karlsruhe, Ostfildern 1996

- Rebel, Ernst: Druckgrafik, 2. Auflage, Reclams Universal-Bibliothek Nr. 18649, Stuttgart, 2003, 2009

- Butin, Hubertus: Mehr als ein Schriftzug, Die Crux mit der Signatur, F.A.Z., 2009

 

Broodthaers, Marcel: Untitled, 1966, 30 x 23,2 cm

Broodthaers, Marcel: Untitled, 1966, 30 x 23,2 cm

Bacon, Francis: Study after Velazquez's Portrait of Pope Innocent X, 1953

Bacon, Francis: Study after Velazquez's Portrait of Pope Innocent X, 1953

 

Dürer, Albrecht: Adam und Eva

Dürer, Albrecht: Adam und Eva

 

Carlo Carrá: Interventionistische Manifestation, 1914

Carlo Carrá: Interventionistische Manifestation, 1914

Duchamp, Marcel: Ready-made: porcelain urinal, 1917/1964

Duchamp, Marcel: Ready-made: porcelain urinal, 1917/1964

 

  1. Florian Junk :

    Faszinierend finde ich ja einfach die Tatsache, dass Kunst mittlerweile so etwas wie Fanartikel von Profisportlern geworden sind. Grundlegend sind die Dinge viel wert & wenn noch eine Unterschrift auf dem Objekt der Begierde ist, findet man das Werk gleich doppelt gut. Gute Kunst wird größtenteils erst gekauft, wenn sich der Künstler einen Namen gemacht hat.
    Dieser Vorgang ist auch bei verschiedenen Kunstpreisen zu beobachten. Wenn ein Künstler erstmal einen Förderpreis bekommen hat, wird er auch einen zweiten, dritten oder vierten bekommen. Das der Künstler dadurch jedoch finanziell etwas besser da steht als andere Nachwuchskünstler & nebenbei schon zu den renommierteren seiner Art zählt, wird hierbei oft ausser Acht gelassen.
    Sicherlich hat Kunst etwas mit können zu tun, aber in gewisser Weise ist es auch wie bei dem Kindermärchen “Des Kaisers neue Kleider”. Wenn ich meinen persönlichen Geschmack & meine Intelligenz untergrabe, nur um einem Ideal in Form einer Signatur nacheifere , kann ich mich selbst als Kunstliebhaber, -kritiker oder -sammler nicht weiter entwickeln.