Über den Wolken wandern – Von Lenggries nach Benediktbeuern

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Während die Skisaison sich langsam dem Ende neigt und die ersten Pflanzen sich ihren Weg durch den Kunstschnee bahnen, kehrt kurzzeitig Ruhe auf den Bergen ein. Doch die Ruhe ist nur eine vor dem nächsten Touristen-Sturm, Zeit also aufzubrechen. Über den Wolken wandern – Von Lenggries nach Benediktbeuern.

Münchens-Einwohner sucht man am Wochenende meist vergebens in der Stadt. Während die Touristen im Hofbräuhaus und auf dem Marienplatz anzutreffen sind, sitzen die Münchener bereits in der Bayerischen Oberland Bahn auf dem Weg aufs Land. Ob Tegernsee, Schliersee oder Lenggries, die wohlverdiente Entspannung ist nur einen Bahnsteig entfernt.

Das Freizeitangebot reicht dabei von Isar-Rundweg-Ausfahrten über Wandertouren bis hin zu leichteren Alpintouren und mehr. Eine Tour, die mir auf Grund ihrer Schwierigkeit und Abwechslung besonders ans Herz gewachsen ist, ist die Überquerung von Lenggries nach Benediktbeuern über die Benediktenwand. Vom Bahnhof Lenggries (680m ü. NHN) geht es recht zügig zum Skigebiet Brauneck. Rechterhand lässt man die Talstation hinter sich liegen und knapp 5 Kilometer später steht man schon auf dem ersten Gipfel der Tour, dem Brauneck-Gipfel. Dass diese 5 Kilometer knapp 1 1/2 Stunden gekostet und fast 900 Höhenmeter mit sich brachten, erklärt spätestens jetzt die Seilbahn.

Oben angekommen, jagt ein Höhepunkt den nächsten. Über Stock und Stein nähert man sich dem Latschenkopf, welcher mit 200 weiteren Höhenmetern zu überraschen weiß. Auf kürzester Strecke werden einem Höhenmeter vor die Füße geworfen. Kurz und knackig, denn von Lenggries zur Benediktenwand legt man knapp 1.500 Höhenmeter zurück auf knapp 12 KM Distanz. Dabei vermitteln spätestens die Hinweise auf Alpines-Gebiet, welches Erfahrung und Sicherheit voraussetzt, den Charakter dieser Überquerung.

So weit der Blick reicht, so leer ist der Kopf. Dabei ist es nicht die Ruhe, die den Fokus setzt. Während Routenabschnitte im Sommer auch von Familien gemeistert werden, umgibt einen nun ein endloses Nichts. Die Wege sind nur noch schmale, steile Schneeboen, welche als Pfad gemeistert werden müssen – Schwierigkeitsgrad: Herausfordernd. Während man im Sommer maximal in Sonnencreme untertaucht, versinkt man im Winter stellenweise bis zur Hüfte und tiefer in den Schneemengen. Das Motto „Wenn man sich das Ziel vorstellt, muss man den Weg nur noch gehen“1 lässt die Höhenmeter wie ein leckeres Dessert wirken und so findet man sich plötzlich nach knapp 4 Stunden und 12 KM Distanz an der Benediktenwand wieder.

War der schneereiche Anstieg auf 1.800m ein kräftezehrender Kampf, wird der Weg zum Bahnhof Benediktbeuern nun einer gegen den inneren Schweinehund. Kann man den Blick zunächst noch über die Tutzinger Hütte und den Fuß der Benediktenwand schweifen lassen, folgt alsbald ein nicht enden wollender Forstweg. Knapp 12 Kilometer warten nur darauf, aus der fröhlichen Erschöpfung einen anschaulichen Muskelkater zu machen. Doch am Ende ist es genau das, was wir suchen, das kleine Abenteuer. Eines dass uns über den Alltag rettet bis es wieder heißt Zeit aufzubrechen.

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