Wien Halbmarathon – Gekommen um zu leiden

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Wien, eine Schönheit, die mich schon des Öfteren zu beeindrucken wusste, sollte der Start meiner Laufsaison 2016 sein. Schönheiten machen aber nicht nur glücklich, sondern hinterlassen auch Schmerzen. Wien Halbmarathon – Gekommen um zu leiden.

Schraubte ich bereits meine Laufumfänge in Folge meines Triathlon-Trainingsplans herunter, zwang mich meine Gesundheit nochmals einen Schritt zurückzutreten. Gerade letzteres war mir eher unangenehm, wollte ich meine Freundin Wien doch mit einer neuen persönlichen Bestzeit beeindrucken. Ich nannte die unplanmäßige Pause Tapering und gönnte mir, bis auf einen Traillauf eine Pause.

Da der Glaube bekanntlich Berge versetzt war ich davon fast überzeugt, dass in den Straßenschluchten Wiens meine Stunde gekommen war. So ging es dann Samstags mit dem Zug von München nach Wien, wo nach dem Besuch der Sport-Expo noch eine typische Touristen-Runde auf dem Plan stand. Das vor-eventliche Warmlaufen wich einer knapp zehn Kilometer-Sightseeingtour mit abschließendem Finish im Burgers & Bar, wo mir ein Lachs-Burger serviert wurde, der eines Siegertreppchens würdig war – Carbloading für die Seele und den Körper.

Sonntag klingelte der Wecker gegen 6:15 Uhr, jeder, der schon an einer Laufveranstaltung teilgenommen hat, weiß hier die erholsame Nacht zwischen den Zeilen zu finden, und ich begab mich zum Frühstück. Zu diversen Kaffees gönnte ich mir ein typisches Frühstück in Form von Proteinen und Kohlenhydraten, Experimente sind an diesen Tagen schließlich so sinnvoll wie neue Schuhe. Der Lauf zum Buffet stellte hierbei schon die kleine Schwester der folgenden Laufveranstaltung dar, füllte sich das Hotel-Restaurant alsbald mit Lauffreunden aus aller Welt.

Anschließend ging es mit Sporttasche und Adrenalin Richtung Donauinsel, dem Punkt, wo ab 9:00 Uhr knapp 21.000 Menschen ein Rennen gegen ebenso viele Schweinehunde antreten sollten. Läufer um Läufer deponierte seine Wechselkleidung in einem der zahlreichen LKWs, bevor man sich nochmal in den umliegenden Hotels die Lobby anschaute, um nicht zu unterkühlt den Start anzutreten.

Dabei hatte niemand die Rechnung mit einer Unbekannten gemacht – dem Wind. Wusste Wien durch seine Kulissen schon immer zu beeindrucken, hat einen der Wind das ein oder andere mal bereits umgeworfen. Statistiken sprechen von 2% Windlauen Tagen im Jahr. Über 21,1 Kilometer kämpfte man gegen den Wind, der sich in den großen Häuserschluchten Wiens entfalten konnte. Dem inneren Schweinehund schien dies eher zu ge- als missfallen und so war jeder Kilometer ein kleiner Kampf, den es zu gewinnen galt. Dies merkten auch die Profis, schaffte es der Halbmarathon-Gewinner, Alexandru Cornesch, nur mit einer 1:07:00 ins Ziel. In Barcelona brauchte der Gewinner vergleichsweise sieben Minuten weniger.

Die zahlreichen Zaungäste und das piepsen meiner Garmin waren jedoch ein Motivations-Häppchen par excellence, knackte ich doch mit einer 1:27:24 final meine bisherige Bestzeit und selbst die anvisierte , nicht erreichte, 1:25 konnte ich bei dieser Kulisse verkraften. Zur Belohnung bekam ich eine Teilnehmer-Medaille und eine Wadenzerrung. Verdient, denn ich war gekommen um zu leiden.

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.

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