Meran Halbmarathon – Gegen mich durch die Weinberge

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Bridge the gap. Runcation. Mit dem Ziel die Welt im Flug zu erobern, stolperte ich über den Meran Halbmarathon. Zeitlich perfekt passte er in meinen Trainingsplan und sollte auch eben nur ein kleiner Trainingslauf werden, eigentlich. Meran Halbmarathon – Gegen mich durch die Weinberge.

War der Wien Halbmarathon der Start für meine Wettbewerbs-Saison 2016, stand er auch unter dem Fokus der Bestzeit. Zu lange hatte ich mich mit einer Zeit jenseits von Sub90 geärgert und wollte dem endlich ein Ende bereiten. Rückblickend konnte ich an diesen Vorsatz einen Haken machen, sodass ich mich trotz Verletzung in der Wade auf den Meraner Halbmarathon, als Trainingslauf für den kommenden Kopenhagen Marathon, freute. War die Anmeldung für das Rennen in Österreich sowie Kopenhagen noch mit einer Überweisung und einem Formular getan, stand ich jetzt nebst den 21,1 Kilometern auch einem Leistungs-EKG, einer Urinprobe sowie einem Lungenfunktionstest gegenüber.

Entsprechend dem Motto safety first geht man wohl in Italien auf Nummer sicher, sodass nebst der Anmeldegebühr mein Konto plötzlich noch für 80,-€ an medizinischen Untersuchungen sowie einer Lauflizenz für Italien herhalten musste. Hatte sich mein Ehrgeiz gerade erst in den Urlaub verabschiedet machte er auf dem Absatz wieder kehrt und klopfte an die Tür, danke für Nichts. Gut gelaunt und hoch motiviert ging es Samstags mit dem Zug nach Meran, wo mein Warmlaufen durch einen Stadtbummel und einem Besuch der Gärten von Schloss Trauttmansdorff, indem schon Sissi zu Gast war, ersetzt wurde. Die Kohlenhydratspeicher wurden im Anschluss mit einer Pizza und einer, aus Versehen leer gegessenen, Tüte Chips gefüllt und nach einer typisch erholsamen Pre-Run-Nacht ging es auch schon an den Start im Herzen von Meran.

Die Strecke führte durch die Stadt, hinaus in die Weinberge und wieder zurück zum Zentrum, zweimal. Wer schon an Laufveranstaltungen teilgenommen hat weiß, dass Rundenläufe bestes Futter für den inneren Schweinehund sein können, und auch hier sollte mein Innerstes sich wieder von seiner besten Seite zeigen. Am Start angekommen stellte ich fest, dass die Veranstalter für Pacer gesorgt hatten und so stellte mein Ehrgeiz mich kurzerhand in 1:25er Kader ab. Angeschlagen und vor zwei Wochen erst eine persönliche Bestzeit aufgestellt eine grandiose Idee. Bereits kurz als wir aus der Stadt herauskamen und uns dem Wind in den Weinbergen Merans stellen musste, wurde mein Schweinehund langsam warm, mein Kopf hingegen machte jedoch mit jedem Schritt zu. Das Rennen, ich gegen mich, lieferte sich einen Schlagabtausch nach dem nächsten, während mein Kopf einfach nur das wunderschöne Panorama Südtirols aufsaugte.

Als mich ein Herr zu überholen versuchte, jedoch immer wieder abbrechen musste, wachte ich plötzlich auf. Laufe ich in Veranstaltungen immer gegen die Zeit, statt gegen andere, gab ich ihm zu verstehen, mit mir mit zu laufen. Ich zog das Tempo auf Sub4 an und wenn ich mir plötzlich Stöcke zwischen die Beine werfen wollte, zog er mich mit sich. Während wir Kilometer um Kilometer hinter uns ließen, erinnerte ich mich an eine Szene in Scott Jureks Eat & Run, wo ihm sein Unterbewusstsein, auf Grund von Erschöpfung, einen Phantom-Reporter vorspielte, und musste lachen. Nach Kilometer 20 sahen wir endlich die Ziellinie und ich setzte nochmal zum Schlussspurt an. Die in den Trainings angesetzte Hass-Liebe Intervalltraining sollte ihr Gutes haben, denn ich überquerte die Ziellinie mit einer 1:25:10, final.

Hatte ich sicherlich die Hälfte der Strecke einen erneuten Kampf gegen mich selbst geführt, war ich nun im Ziel und konnte nebst der obligatorischen Medaille auch eine neue persönliche Bestzeit mein Eigen nennen. Den älteren Herren sah ich im Ziel wieder und wir klatschten uns ab, unsere ichs hatten zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich schon das Weite im schönen Meran gesucht.

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