Grenzüberschreitung – Mit dem Rennrad nach Innsbruck

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Will ich woanders hin, fahr ich mit dem Fahrrad, damit kann ich immer fahrn, wann und wo ich will – summt es in meinem Kopf, während ich den Grenzposten passiere. Grenzüberschreitung – Mit dem Rennrad nach Innsbruck.

Das erste Drittel liegt bereits hinter mir, der große Anstieg und die 20°C Marke erwarten mich noch. Autos geben sich die Hand mit der Einöde, ebenso persönliche Höhe- mit Tiefpunkten. Subjektive Wahrnehmung ist manchmal ein Arschloch, dabei habe ich es gewollt und auch bekommen. Knapp sechs Wochen ist es her, als ich mit dem Rad von München zum Tegernsee gefahren bin und über ein Straßenschild stolperte.

Innsbruck 100 Kilometer, stand in schwarzen Buchstaben auf gelbem Grund und erhaschte meine Aufmerksamkeit. Die Idee Innsburck, Österreich, Rad war so schnell geboren, wie ich das Schild passierte. Done is better than perfect, ein Ziel hatte ich nicht, ich wollte es einfach gemacht haben. Sprichwörter gibt es wie Sand am Meer, Ausreden leider auch und so wartete die Idee, mit Bib und Shirt, in meinem Schrank.

Grenzen sind da, um überschritten zu werden – vor allem solche, die von Menschen geschaffen wurden. Kurzerhand recherchierte ich nochmals mögliche Routen, Wege und Zustiegsmöglichkeiten. Via Bahn ging es von München nach Holzkirchen, die Bundesstrassen im Nacken und die 100KM-Marke vor mir. Eine Aufgabe und gewisse Romantik vor Augen, erwartete mich nur eins, unbequeme Kälte. Trotz prognostizierten 20°C war es so unangenehm, dass ich mich kaum auf den Weg machen wollte. Fünfzehn Kilometer auf der Uhr, fiel ich, glücklich wie ein Student über einen Kasten Bier, in die Bergzeit-Filiale und kaufte mir Castelli Nanoflex Beinlinge. Schweinehunde lauern anscheinend gerne in der Schweinekälte.

Via Tegernsee und Kreuth ging es schnellen Trittes über den Achenpass, vorbei an Zeugen einer vergangenen Zeit. Höhenmeter um Höhenmeter begegnen mir in dieser Einsamkeit und vermischen sich mit einem Gefühl der inneren Ruhe. Mit jeder Umrundung meiner Kurbel versetze ich mich in ein Zen, ein Zustand, indem der Moment wichtig ist, nicht das Ziel. Hatte ich bei meiner ersten Mitteldistanz noch Probleme in der Aero-Position, so genieße ich die vorbeifliegende Szenerie.

Es ist das Jetzt das ich genieße, zu tun um zu tun, nicht des Müssen wegen. Ich halte an, genieße einen doppelten Espresso, wünsche dem Kellner einen schönen Tag und fahre weiter. Will ich woanders hin, fahr ich mit dem Fahrrad, denn von hier sieht alles anders aus. Zurückgelegte Höhenmeter werden zur Abfahrt, Karma spielt mir in die Kurbel und plötzlich bin ich in Innsbruck. Meine ersten Beinlinge sind gekauft, die ersten 100 Kilometer auf dem Rad sind geknackt, ich bin glücklich und falle um. Klickpedale sind, noch, nicht meins und so wartet die Ampel nun auf mich statt ich auf sie.

Erhobenen Hauptes ist ein Fremdwort, grantig rolle ich zum Bahnhof und ziehe mir ein Ticket. Die letzten Stunden fliegen an mir vorbei, zusammen mit der Angst, dass die Saison nun für mich vorbei ist. Hat man einmal eine Knie-Op hinter sich, ist die Lust auf eine weitere gering und so stehe ich am nächsten Tag beim Orthopäden. Werde geröntgt, untersucht, habe nur einen Bluterguss in meinem Knie und mein Lächeln wieder gefunden.

Inspiration oder meinen sportlichen Status Quo findet ihr auf Strava.

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