Kunst kommt von Können – Haus 75 Jahresausstellung 2017

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An jeder Straßenlaterne klebt ein bunter Sticker und instagram ist ein unendliches Sammelsurium an Inspiration. Die Crux der Kunst ist heutzutage weniger die Kreativität, als vielmehr die Professionalisierung. Kunst kommt von Können – Haus 75 Jahresausstellung 2017.

Tagtäglich begegnet uns in der Musik ein weiteres One-Hit-Wonder. Modetrends ziehen über das Land und hinterlassen nichts anderes als volle Altkleider-Container. Auch in der Kunst sind sich viele Künstler nicht zu schade, für die schnelle Mark ein Bild zu schaffen, das gefällt. Waren Künstler früher noch Handwerker, sind es heutzutage oftmals eher Copy-Cats. Nur wenige schaffen es, oder haben überhaupt ein Interesse daran, ihr Themenfeld abzustecken, ihre Medien zu ergründen und sich selbst auf dem Untergrund zu verewigen.

Mag ein Jackson Pollock Alkoholiker und Playboy gewesen sein, so brachte er immerhin sein Innerstes auf die Leinwand und weiß daher heutzutage noch, wie ein Beckmann oder Bacon, zu beeindrucken. Geschmäcker mögen verschieden sein, daran, Können anerkennen zu können, ändert es aber nichts.

Matthias Mross und Sebastian Wandl, auch bekannt als das Münchener Künstlerkollektiv Haus 75, stehen den alten Hasen dabei in Nichts nach. Verfolgt man ihren künstlerischen Werdegang, haben sie es nahezu perfektioniert, ihren spielerischen Umgang, mit der Kunst und dem Untergrund, mit ihren Fähigkeiten eins werden zu lassen. Die Wirkung von Gestaltungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Untergründen sowie das Zusammenspiel von Farben, als Ausdruck ihres Inneren, haben sie innerhalb des letzten Jahres nochmal auf eine neue Ebene gehoben.

Dabei erschlagen einen die Künstler nicht mit ihren Werken, sondern überlassen es den Zuschauern, sich mit ihnen, flüchtig oder intensiv, auseinanderzusetzen. Betrachtet man die Werke von Matthias, welche sich im Diskurs von Umwelt, Mensch und Tier bewegen, so fällt einem mit etwas Abstand auf, dass die Werke sich kein Urteil erlauben. Sie überlassen es dem Publikum, die Traurigkeit und Absurdität der Menschheit, zwischen den Zeilen zu finden.

Sebastian Wandl geht mit seinen, oft großformatigen, Girly-Girls einen vermeintlich anderen Weg. Gute Laune, Likes als Kapital und grenzenlose Möglichkeiten entspringen zunächst den Bildern. Die Frage die sich mir augenblicklich jedoch stellt ist, was fühlen die Personen wirklich? Es ist nicht alles Gold was glänzt wird durch eben jene Farbstriche perfekt personalisiert. Seine neueren Serien von, vom Leben gezeichneten, Männern, bestärkt dieses Gefühl. Schafft er zwei Säulen aus vermeintlichem Glück und unausweichlicher Anstrengung, so fragt man sich, was liegt in der Mitte.

Zwei Künstler, welche beide auf unterschiedliche Weise die Auseinandersetzung mit der Welt hinter der Fassade fordern und genau deshalb so gut zueinander passen.

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram und Twitter.

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