Ich mag kein Plastik – Acht Tipps für weniger Müll

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Es ist 15:00 Uhr, der Sport-Unterricht war heute irgendwie besser als sonst, denn es ging auf die Tartanbahn. Der Wind strömt durch das offene Visier und ich lausche dem Motor meiner Honda. Bäume und Häuser fliegen an mir vorbei, doch das einzige was ich wahrnehme sind McDonald’s Tüten. Ich mag kein Plastik – Acht Tipps für weniger Müll.

Im Alter von 16 Jahren hielt ich mein persönliches Stück Freiheit, einen 125ccm Führerschein in der Hand. Die Welt stand mir plötzlich offen, doch statt Freiheit sah ich oftmals nur eins: Müll am Fahrbahnrand. Vom McDrive, dem Melting Pot der Dorfjugend, durchlebten Happy Meal und das Menu oftmals nur eine Halbwertzeit von 2 Minuten. Länger brauchte man nicht vom Kreisverkehr die Straße hoch zur nächsten Tankstelle und dennoch war es anscheinend genug Zeit, um die Verpackungen unterwegs aus dem Fenster zu werfen – es ist ja nicht so, als ob man irgendwo ankommen würde, wo es einen Mülleimer geben könnte.

Ein Wimpernschlag und ich stehe in Viña del Mar. Ich bin irgendetwas um die dreißig, weiterhin ein Kindskopf und habe Bart. Während ich verträumt mit meinen Flip Flops auf dem Boden einen Rhythmus steppe, schaue ich der chilenischen Verkäuferin beim einpacken unserer Lebensmittel zu. Vor langer Zeit habe ich bereits aufgehört, die verwendeten Plastiktüten nachzuzählen, fehlte es mir schlichtweg an ausreichend Händen.

Amerika, Land der Schönen, der Freiheit und der Plastikverpackung. Haben wir per se schon kaum Platz in Pablo, wird der meiste Raum für Verpackungen genutzt. Alles ist dreimal verpackt und viermal verschweißt, habe einen Master in Arts aber keinen Doktor in Recycling. Tagtäglich werfen wir einen Müllsack weg, gefüllt von den Verpackungen von drei Mahlzeiten á zwei Personen.

Ich öffne die Augen und schalte den Geschirrspüler an. Tabs, eine Verpackung, Salz, eine Verpackung. Ich gehe ins Bad und schalte die Waschmaschine an. Tab eine Verpackung, Spülmittel, eine Verpackung. Statt sauber zu machen produziere ich nur mehr Dreck. Dabei geht es hier weder um Dummheit noch Faulheit, wahrscheinlich ist es eher Gewohnheit. Doch wieso sollte man in Gewohnheiten ersticken, wenn das Gehirn doch gerne neuen Reizen ausgesetzt werden möchte? Wie schön wäre es doch, der Natur und seinem Gehirn etwas Gutes tun zu können, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen? Denn, so gerne ich etwas ändern möchte, so gut kenne ich mich, einfach erreichbare Ziele, Zwischenziele, werden öfter und häufiger umgesetzt, als die High-Hanging-Fruits.

  • Tabs für Geschirrspüler und Co gibt es auch in Pulverform – hier hat man nur eine gesamte, statt einzelne, Verpackung.
  • Plastiktüten bleiben im Laden – Jutebeutel sind nicht erst seit gestern wieder in.
  • (Einweg) Plastiktüten braucht man weder für den Einkauf, noch für Obst, noch für sonst etwas.
  • Getränke aus Plastikflaschen schmecken meist weniger gut, oder magst du etwa Bier aus der Plastikflasche lieber als aus der Glasflasche? Am Flughafen von Barcelona kaufte ich mir jüngst eine 24Bottles. Die Flasche wiegt nur 118gr, sieht schick aus und stört nicht in der Tasche.
  • Zahnseide und Wattestäbchen sind meist aus Plastik, müssen sie aber nicht sein. Bei vielen Läden gibt es Bio-Wattestäbchen und selbst Zahnseide kann man vegan und bio erwerben.
  • Sport-Gels und Riegel kann man ganz einfach selbst herstellen. Ihr kennt die Inhaltsstoffe, habt quasi ein Warm-Up und könnt mit euren Mitbewohnern in der Küche herumexperimentieren. Wieso sollte man hierfür immer auf die Weihnachtsbäckerei warten müssen?
  • Kauft weniger. Generell besteht alles aus irgendetwas. Für die Produktion müssen Rohstoffe verwendet werden, oftmals steht das in keinem Verhältnis zum finalen Produkt. Stellt euch vor dem Kauf einfach die Frage, ob ihr das wirklich braucht, was ihr kaufen wollt. Ich habe viele Dinge, überlege aber vorher, ob und wie lange ich sie nutzen werde. Dann kaufe ich auch lieber die höherpreisige Variante, welche ich später eh haben möchte, statt zuvor die günstige zu besitzen.
  • Coffee-To-Go ist keine Schande, der Plastikdeckel auf dem Becher schon. Und wenn ihr den Becher schon bis zum Büro schleppt, benutzt ihn den Tag über doch einfach weiter.

Klingt einfach? Ist auch so gemeint, denn selbst kleine Veränderungen führen in der Gemeinschaft zu etwas großem und wann hat es schonmal geholfen, wenn man mit dem erhobenen Zeigefinger jemandem etwas madig gemacht hat?

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram und Twitter.

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