Ich hasse Triathlon – Eine Ode an die Mutter aller Ausdauersportarten

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Es ist Montag und ich schaue wie jeden Tag in meinen Trainingsplan. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee steigt mir in die Nase, doch der Genuss währt nicht lange, steht doch an meinem eigentlichen Ruhetag schon wieder eine Einheit in meinem Plan. Ich hasse Triathlon – Eine Ode an die Mutter aller Ausdauersportarten.

36 x 50 und dann noch irgendetwas mit Paddles und Pullbuoy während die Schulklasse gerade einen Wettkampf im langsam schwimmen mit der Oma auf der Sportbahn austrägt. Vierzig Bahnen hiervon, dreißig davon und das Pflaster da unten schwamm gerade noch vier Kacheln weiter vorne. Im Dialog mit mir selbst werde ich noch wahnsinnig und schließe teilweise die Augen, nur um drei Atemzüge später noch die halbe Bahn vor mir zu haben.

Das Fenster ist gekippt, Iron Maiden teilt sich die Bühne mit Gran Tour während ich meinen Natriumhaushalt in den Ruin treibe. Statt around the world heißt es nur keep on rollin’. Rolle rückwärts wäre mir fast lieber, ist aber auch kein Ausweg. Triathleten werden angeblich im Winter gemacht. Die Spreu und der Weizen trennen sich spätestens, wenn man vor Frust in ein Trainingslager flieht oder die Rolle in die Ecke stellt und mal schaut, wie sich die Radform ohne Training entwickelt.

Den lieben Gott einfach mal machen lassen. Laufschuhe schnüren und den Kopf freibekommen bei meinem Heiligen Gral. Isartrails und Voralpen, Höhenmeter als Höhepunkt, am Arsch. Statt Pipi Langstrumpf habe ich schon im Winter Pipi in den Augen. Intervalle hier, längster Long Run nur 18 Kilometer weil Training am nächsten Tag und dann auch noch Schrittfrequenz erhöhen weil ich zu langsam bin.

Spaß am Hobby sieht anders aus. Ich hasse Triathlon. Ich hasse meine Schwimmzeiten, meine Pinocchio-Beine und mein Schneckentempo. Sechs Tage die Woche Sport nach Plan, sieben Tage die Woche Dehnen, Stabi und Faszien.

Kurz vor dem Ziel lächelt mich meine Freundin an und die Menge spendiert Fersengeld. Aus what the fuck wurde was für ein geiler Tag. Ich stehe völlig fertig im Ziel und zolle den folgenden Finishern meinen Respekt. Die Ziellinie ist mein Happy Place.

Ich hasse Triathlon. Dieses ganze Training, diese Monotonie, dieses Zeitmanagement nach Plan anderer Menschen. Aber dieses Gefühl, endlich zehn Sekunden schneller auf 100 m zu schwimmen, Intervalle zu laufen ohne Nahtoderfahrung und vom Zeithobel ohne Selbstzerstörung abzusteigen, ist schon ziemlich geil.

Ich hasse Triathlon, weil die Mutter aller Ausdauersportarten mir immer meine Grenzen aufzeigt, nur um mich dann noch ein Stück weiter gehen zu lassen. Ich hasse Triathlon, weil es liebe.

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