Von der Kunst der kleinen Runde – Laufen in den USA

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Ich bin leer. Knapp vier Monate habe ich mich durch einen Winter gequält, der seinesgleichen sucht und das Ganze mit der Gewissheit, dass es für den Arsch war. Von der Kunst der kleinen Runde – Laufen in den USA.

Welche Intention mich geritten hat, steht noch zur Debatte und doch habe ich mich zu einem Frühjahrs-Marathon verleiten lassen. Paris, die Stadt der Liebe, sollte auch meine Beziehung zur mir und meiner Marathon-Bestzeit kitten, doch statt Paartherapie gab es nur ein paar auf die Zwölf.

Statt Höhepunkt gab es nur plötzlich hohe Temperaturen und unerwartete Höhenmeter dank dem ein oder anderen Auf- und Abstieg. Die Finisher-Medaille in meiner Hand fühlt sich eher wie eine Grabbeigabe statt einem Schulterklopfer an und ich habe die Schnauze voll.

Mein Körper braucht Urlaub und mein Kopf sitzt schonmal im Flieger: München – Paris – München, München – Los Angeles. Man muss nicht unbedingt Forrest Gump gesehen oder sich an einem Wettkampf versucht haben, um mich zu verstehen, aber nach meinem Paris Marathon 2017 hatte ich die Lust am Wettkampf-Sport mit einem Strick auf den Eifelturm geschickt.

Auf unserem Roadtrip in die USA ging es dennoch nicht ohne Laufschuhe, dafür ohne Plan. An jeder Destination bin ich aus dem Bett oder dem Van gefallen und in den Tag hineingelaufen. Die Distanzen hätten teilweise einen Hund nicht zum kacken gebracht und doch haben sie die ganze Scheiße aus meinem Kopf verarbeiten können.

Ich war laufen in der Wüste und habe den Van vor lauter Vans nicht mehr gefunden. Ich war laufen in Inglewood und Menschen haben mir freundlich zu genickt. Ich war laufen zwischen Yachten und Bear-Resistant Food Containers. Ich war laufen zwischen dem Eifelturm, Venedig und der Freiheitsstatue und das innerhalb von zwanzig Minuten.

Ich habe in einem Monat die wenigstens Kilometer gelaufen seit vielen Jahren. Ich war laufen zwischen Autos die höher sind als ich und mehr schlucken. Ich war zwölf Mal laufen in den USA, habe drei Bundesstaaten zu Fuß erlebt und mich in ein Land verliebt, dass sich selbst nicht versteht.

Statt höher, schneller, weiter habe ich die Kunst der kleinen Runde lieben gelernt und wenn auch nicht meinen Akku so zumindest meine Lust am Laufen wieder aufgeladen.


Auf Strava findet ihr, passend zu meinem USA-Roadtrip, meine Laufrunden. Diese sind im Detail:
Inglewood
• Joshua Tree Nationalpark V1, V2
Needles
Grand Canyon National Park
Las Vegas
Diaz lake
Yosemite Park
• Santa Cruz V1, V2
• San Francisco V1, V2

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.

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