Trailrunning in Kitzbühel – Höhenmeter machen in den Tiroler Alpen

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Es ist fünf Uhr morgens und der Wecker klingelt nach einer viel zu kurzen Nacht. Mein Zeitfenster ist klein, analog zu meiner Motivation und lediglich die Lust auf das Unbekannte zieht mich aus dem kuscheligen Hotelbett. Trailrunning in Kitzbühel – Höhenmeter machen in den Tiroler Alpen.

Durfte ich dem Schwarzsee gestern schon einen Besuch abstatten, gleicht mein heutiges Ziel einer manifestierten Schnapsidee, genannt Streif. Was für die einen das größte Champagner-getriebene-Spektakel des ganzen Winters ist, ist für die anderen ein Drahtseilakt zwischen großer Bühne und Hospital.

Die Streif gilt als härteste und schwierigste Ski-Rennstrecke der Welt, dabei ist sie weit mehr als das. In seinen Grundzügen ist die Streif zunächst eines, steil. Und das merkt mein Körper bereits, da habe ich ihr Antlitz noch nicht mal erblicken können. Der Nebel hängt tief an diesem Morgen, aber vielleicht ist es auch nur mein Atem, welcher mir die Sicht verdeckt. Sollte gerade jemand eine Dampflok casten, ich wäre bereit für die Rolle.

In kleinen Schritten wechsle ich von Asphalt auf Grün, passiere die rot-weiße-Barke und tauche ein in die Natur. Während ich bergauf laufe habe ich das Gefühl, mit Alice in den Kaninchenbau zu fallen. Auf Szeneviertel folgt grüner Tunnel, folgt Ausblick. Zumindest wenn dieser Nebel endlich ein Ende finden würde.

Laut Schild befinde ich mich am Zielschuss des Hahnenkammrennens. Während die Spitzenläufer knapp 140 km/h auf der Uhr habe, zeigt meine höchsten einen spitzen Puls an. 100 Höhenmeter und mehr á Kilometer stehen mir gegenüber und lachen mich ob meiner Pace aus. Würde ich auch, wäre ich dazu noch in der Lage.

Meine Herzfrequenz spiegelt das Höhenprofil wieder und erst als sich der Nebel in meinem Rücken allmählich lichtet weiß ich, warum ich das hier eigentlich tue. Weil es großartig ist. Und weil es nur beim Trailrunning schön ist, wenn es auch mal bergab geht.

Völlig zerstört und glücklich erreiche ich nach knapp einer Stunde wieder das Hotel und falle so euphorisch über das Frühstücksbuffet, als hätte ich die ganze, statt nur der halben Streif, geschafft.


Wo ein Weg ist, ist auch ein Trail und glücklicherweise hat Kitzbühel davon ganz viele. Enthusiasten, Experten als auch Anfänger erwartet heuer aber nicht nur eine verbesserte Kommunikation der Trail-Lage, sondern auch die erste Auflage des Gamstrail. Hier werde ich wahrscheinlich ähnlich zerstört, aber immerhin dann genauso glücklich finishen.

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.

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