Biken in Brixen trifft UCI Straßenrad Weltmeisterschaft in Innsbruck

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Pablo ist tot, es lebe Pablo. Die Fahrertür fällt ins Schloss und das Navi zeigt gen Südtirol, meinem Ziel für die nächsten drei Tage. Während der Alltag im Rückspiegel verschwindet, wächst in mir die Vorfreude auf Car Camping und Switchbacks. Biken in Brixen trifft UCI Straßenrad Weltmeisterschaft in Innsbruck.

Während die Saison allmählich ihr Ende findet, zeigt der Sommer mir auch bereits die kalte Schulter. “Nur noch ein paar Höhenmeter, bitte”, fährt es mir über die Lippen. Doch die Geschichte vom Berg und Propheten im Kopf, habe ich kurzerhand einfach beschlossen nach Brixen zu fahren. Nach kurzer Recherche passt das Wetter, zumindest dank Arm- und Beinlingen, und selbst ein nahe gelegener Campingplatz hat noch Platz für Pablo V. 2 und mich.

Knapp zweieinhalb Stunden später bin ich bereits am Ziel angekommen und habe den Fond bereist für mein Bike und mich zum Nachtlager ausgebaut, bevor ich am Gasthof Vahrner See das Wochenende mit Südtiroler Spezialitäten und Weißwein einläute. So gemütlich es im Auto ist, so entspannt stehe ich am nächsten Morgen auf und sauge die Aura Südtirols in mir auf. Ein Wolkenvorhang und starker Wind mahnen mich zur Gemächlichkeit und so fahre ich erstmal nach Brixen um Frühstück und Verpflegung für die nächsten Tage zu bekommen.

Per Zufall entdecke ich einen kleinen Bauernmarkt und fühle mich wie Kevin McAllister im Spielzeugladen an Weihnachten. Apfelsaft direkt vom Hof und frische Vinschgauer sind nur einige der Schmankerl, die den Weg mit mir auf den Campingplatz finden. Route aufs Wahoo, Helm richten und schon geht es gestärkt gen Gran Fondo. Kurz hinter Brixen begrüßt mich schon der Schilderwald gen Würzjoch.

Switchback ist das Credo des Tages und während die Höhenmeter steigen fallen merklich die Temperaturen. Auf Halstuch folgt Gilet und als ich anhalten muss, um die Beinlinge anzuziehen weiß ich, dass der Sommer vorbei ist. Nach knapp 30 Kilometern und einer Espressi-Cola-Comba später erreiche ich mein Tagesziel auf knapp 2.000 HM. Mag die Performance sicher nicht eines maillot à pois rouges würdig sein, bin ich ziemlich glücklich. Das Gipfelkreuz der Radfahrer wird kurz getaggt, zerstört ein hässlicher Reisebus das Sujet.

Gestärkt zeigt das Höhenprofil der Route nahezu nur noch nach unten und ruft mir KOM entgegen, zumindest bis meinem Reifen die Luft ausgeht. Knapp 60 Kilometer in den Beinen habe ich einen Platten, den ich wechsle, nur um direkt wieder einen Platten zu haben. Zwei kaputte Schläuche durch einen Ersatzschlauch macht maximal halben Spaß, und zu allem Überfluss stehe ich mitten in der Pampa.

Treffen sich ein Ingolstädter und ein Münchner in Südtirol klingt zwar nach schlechtem Humor, bedeutet aber kurzfristig meine Rettung, bringt mich der Rad fahrende Autofahrer zum Bahnhof in Bruneck. Der Tag neigt sich allmählich dem Ende analog zu meiner Laune, habe ich kaum noch Bargeld und kann den italienischen Zug nicht via App bezahlen. Als ein netter Busfahrer mich und mein Velo doch noch mitnimmt, weiß ich, dass mein Karmakonto nun definitiv rote Zahlen schreibt, dafür muss ich an diesem Tage aber nur knapp 15 statt 40 Kilometer schieben.

Während ich mein Essen zu später Stunde endlich auf dem Gaskocher weiß, proste ich meinem Rad lächelnd zu, was für ein Tag. Auf Würzjoch folgt Timmelsjoch, zumindest in der Theorie, doch da ich keinen neuen Mantel und keinen weiteren Schlauch habe, fällt die zweite Tour flach. Kurzerhand reisen Pablo, mein Bike und ich nach Innsbruck zum UCI Straßenrad Weltmeisterschaft Mannschaftszeitfahren und lassen das Rad-Wochenende mit Team Katusha-Alpecin, Sunweb, BMC, bora hansgrohe und Sky ausklingen. Radfahren und Radfahren lassen.

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.

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