Challenge Kaiserwinkl Walchsee – Triathlon Mitteldistanz im Herzen Tirols

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Triathlon ist die Summe aller Dinge, die schiefgehen können, plus der Wille, das Kind doch noch nach Hause zu bringen. Challenge Kaiserwinkl Walchsee – Triathlon Mitteldistanz im Herzen Tirols.

Ein Schleier liegt über dem Walchsee, als der Tag endlich anbricht. Satt-grüne Auen und Weiden zeugen davon, dass es sich der Sommer hier wieder hat gut gehen lassen. Baden im warmen See, wandern im Kaisergebirge oder Einkehren auf den Almhütten, was mag er alles die vergangenen Wochen gemacht haben, nur jetzt hat es ihn woandershin verschlagen.

Schwimmen, Radfahren und Laufen sind ihm per se wahrscheinlich nicht spannend genug und so platziert der Sommer kurzerhand eine Kaltwetter-Front im Herzen Tirols. Vom Balkon des Hotel Garni Tirol bewundere ich noch kurz das Wolkenspiel, bevor ich mich ins Wettkampfwochenende schmeiße.

Zusammen mit den anderen Triathleten geht es erst zur Startnummernausgabe im Zentrum von Walchsee, bevor wir unsere Zeitmaschinen in die Wechselzone schieben. Vom alten Renner bis zum Kona-Primus reiht sich Bike an Bike und wartet darauf, über den welligen Kurs rund um Rettenschöss und Kössen gejagt zu werden. Ein Blick auf den Zielbogen und einen Besuch bei der Pizzeria später geht es zurück ins Garni Tirol. Beutel packen und Strecke visualisieren sind die letzten Punkte, bevor ich es mir kurz im Bett gemütlich machen kann.

Zwei Eskimorollen und eine gefühlt zu kurze Nacht läuten den Renntag ein. Die Strecke gleicht einer Theaterbühne, eingeräumt vom Wolkenvorhang. Meine Gedanken befinden sich im Dialog um do and don’t, bis sie netterweise durch einen geschenkten Glücksbringer der Wirtin wieder auf das wesentliche fokussiert werden, den Spaß.

Frühstücken, Sachen packen, Zielbereich. Weiß ich mit Jan Frodeno einen großen des Sports als Teamkollegen, ist es doch immer etwas besonderes die Profis in ihrem Tunnel zu beobachten. Trotz tiefsitzender Mütze erkennt man ein Potpourri aus Freude und Anspannung in Sebastien Kienles Gesicht, während er seiner Zeitmaschine den letzten Schliff gibt.

Wechselzone verlassen, Neo anziehen, Schwimmstart. Während die Profis um Kienle, Funk und Bock schon im Wasser sind, werfe ich mich erst in Schale und dann in die Fluten. Trotz Rolling Start erwische ich zwar eine gute Gruppe, bekomme aber direkt nach der ersten Boje einen Schlag ab und muss meine Brille und Badekappe richten, nur um kurzerhand wieder einen Schlag abzubekommen. 18°C kaltes Wasser kann ohne Badekappe ganz schön kalt sein und leicht benommen und aus dem Tritt versuche ich das beste aus der ersten Disziplin zu machen.

An Land angekommen überlege ich kurzzeitig den Neo zum Radfahren anzulassen, zwänge mich aber doch aus der Neo in die Lycra-Haut. Trittfrequenz ist meine Stellgröße für die nächsten Stunden doch so sehr ich mich bemühe, die Beine in Rhythmus zu bekommen, so dankbar bin ich mich an der Landschaft satt sehen zu können. Triathlon ist die Summe aller Dinge, die schiefgehen können, plus der Wille, das Kind doch noch nach Hause zu bringen.

So problemlos mein Schwimmen verlief, so gut läuft auch mein Radfahren. Abgesprungene Kette und Co, sind hierbei nur eine Episode und spiegeln perfekt meine Einstellung wieder. Mit Problemen zu rechnen ist etwas anderes, als sie zu erwarten und auch wenn es mal nicht läuft, liegt der Fehler hier bei mir.

Im Training mit Kopfhörern schwimmen? Nein, damit man lernt die Monotonie des Wettkampfes zu ertragen. Mal durchtreten statt sich wund zu schalten, Intervalle und Einbeinige-Fahrelemente im Training sind hier nur Beispiele mit denen der Coach seinen Athleten das Wettkampf-Leben vereinfachen will. Die Crux liegt oftmals leider im Umsetzen der erlernten Fähigkeiten und diese Weisheit nehme ich mit auf die Laufstrecke.

Während Kienle bereits seinen Sieg bei der Challenge Kaiserwinkl Walchsee feiert, drehe ich um eben jenen See meine Runden. Vier an der Zahl. Während eine 180er Schrittfrequenz das Pendant zu einer 90er Trittfreuquenz, ergo das Maß aller Dinge darstellt, setze ich den einen vor den anderen Fuß und bei den Verpflegungsstellen auch mal beide nebeneinander. Meine anvisierte Zeit ist so durch wie ich und erst Wochen später stelle ich fest, dass das großartig ist.

Um eine Finisher-Medaille und etliche Erfahrungen leichter, sehe ich den Walchsee im Rückspiegel immer kleiner werden. Es war ein harter K(r)ampf, doch erst nach der Voice-Mail vom Coach weiß ich diesen einzuordnen. Triathlon ist nicht immer einfach. Man muss sich nicht immer die Pistole auf die Brust setzen und kann Fünf auch mal gerade sein lassen. Und manchmal ist ein schlechtes Finish wertvoller als ein Bilderbuch-Rennen.


Danke an den Tourismusverband Kaiserwinkl für die gute Organisation und danke an das Hotel Garni Tirol für die Unterkunft und den wunderbaren Service. Danke an die Challenge Kaiserwinkl-Walchsee für die Zusammenarbeit und weiterhin viel Erfolg mit diesem anspruchsvollen und großartigen Rennen. Merci Coach Mario und Asics Frontrunner.

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.

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