Die Kolumne – Lyrische Blackouts in wöchentlicher Routine KW01/19

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Die Kolumne ist ein kurzer Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform 1. Die Meinung ist meine und bezieht sich auf meinen Tag. Die Highlights meiner Blackouts gibt es in wöchentlicher Routine, verpackt in lyrischen Kleintexten ergo Die Kolumne – Lyrische Blackouts in wöchentlicher Routine KW01/19.


 
Kolumne KW 0119

XII:
Bilder von New York oder Bad Gastein schwirren mir im Kopf, als ich an Winter in der Stadt denke. Ich flüchte mich gedanklich ins weiße Nichts, sieht die Realität eher nass-grau und reudig aus. Schlecht geräumte Wege treffen auf Schneeregen und so große Pfützen, dass ich glatt in ihnen schwimmen könnte. Mit Neo selbstverständlich. Vom Regen in die Traufe, Sodom oder Gomorra, stockender Verkehr oder überfülltes Museum als Qual der Wahl, nur um nicht in Binge-Watching zu ersticken.

Ich liebe Bilder, Farbe auf Untergründen und die personifizierte Kraft des künstlerischen Ichs, aber, man darf mich da gerne falsch verstehen, verachte Kunst, nein den Kunstmarkt.

Kennen Sie diese Nichtraucher, die jahrelang einen Zweitjob als Schornstein hatten oder Veganer, welche es einem immer auf die Nase binden? Das bin ich, nur mit Kunst. Ich habe einen Bachelor of Arts in Literature, culture and media studies sowie einen Master of Arts in Kunst- und Kulturvermittlung, gebe mir Fashion-Shows und eine Bildanalyse vom Vorder- in den Hintergrund und doch will ich Kunst vom Sockel holen. Weil eben jene jemand darauf gestellt hat.

Dieses zuprosten mit billigem Fusel Donnerstags abends mit der Gewissheit, sich vom Pöbel abzuheben. Dieses Kunst gut finden, weil Sotheby’s den Preis angehoben hat. Dieses vor einem Triptychon stehen und so unauffällig laut das Bild analysieren, dass selbst dem anwesenden Personal die Lust am Rubens vergeht. Ich möchte umgehend selbst zum Künstler werden, Fluxus, und kotzen.

Eben jenem Pöbel entstammen viele Künstler doch selbst ab, haben es wahrscheinlich finanziell auch zu Lebzeiten zu Nichts gebracht, da sie tot dem Kunstmarkt mehr wert waren. Passt schon.

Wie selten nimmt man sich für ein Werk, was einem gefällt und eines was einen anekelt, noch Zeit sich selbst im Werk zu reflektieren, was man sieht, was einem zusagt. Anschließend ein Blick auf die Legende und Revue passieren lassen der eigenen Erfahrungen.

Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, sonst hieß es Wunst. Ist das Kunst oder kann das weg? Wissen Sie, wo kein Richter, da kein Henker und dann darf Kunst das sein, was gefällt. Und dann heißt es Gunst, weil der Künstler einen günstigen Zeitpunkt erwischt hat, um sie aus dem Alltag zu reißen. Günstig wird es leider nicht, dafür sorgt der Kunstmarkt. Aber dass ich eben jenen nicht mag, sagte ich schon.

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