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Die Kolumne – Lyrische Blackouts in wöchentlicher Routine KW03/19

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Die Kolumne ist ein kurzer Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform 1. Die Meinung ist meine und bezieht sich auf meinen Tag. Die Highlights meiner Blackouts gibt es in wöchentlicher Routine, verpackt in lyrischen Kleintexten ergo Die Kolumne – Lyrische Blackouts in wöchentlicher Routine KW03/19.


 

XXI:
Gegen den Uhrzeigersinn, warum eigentlich gegen den Uhrzeigersinn? Angenehm warm fühlt sich das Wasser an, da bin ich doch schon Anderes gewohnt. 50 Meter liebe ich, sind sie per se ob des fehlenden Abschlags bei einer 25-Meter-Bahn schwieriger zurückzulegen, geben einem aber gleichzeitig á Bahn das Gefühl, mehr geschafft zu haben.

Das vom Beckenrand gewohnte Abgleiten ins Wasser ist jetzt eher ein kleiner Plumps. Haltungsnoten verdiene ich auf jeden Fall keine dafür. Ein kurzes Warm-Up und ein Flug stecken mir in den Knochen, aber die Aussicht auf Wettkampfbahn und ungewohntes Spielfeld sind größer als der innere Schweinehund.

Das Becken ist doppelt so tief wie gewohnt und wäre sicherlich ideal für Tauchübungen. Mein Rumpf bewegt sich immerhin schon wie ein U-Boot durch das Wasser. Kopf tiefer ins Wasser, Beine strecken und Frequenz erhöhen. Kacheln, Kacheln und Kacheln zählen, T-Markierung, Wende, Kacheln, Kacheln und Kacheln zählen.

Statt Holzbänken oder Topfpflanzen wechselt mein Blick zwischen Sprungturm, Kacheln, Sprungturm, Kacheln, Zuschauertribüne, Kacheln und Zuschauertribüne. 3-2er Atmung, 4-3er Atmung, 3-2er Atmung.

Die Schultern werden schwerer und schwerer, während ich mit jeder Bahn Gedankenchaos gen Grund schicke. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr und mache dennoch eine weitere Bahn. Fernab vom Trainingsplan-Ziel und dennoch glücklich steige ich aus dem Becken und gehe unter die Dusche, dann zum Spint.

 

Dort schaue ich erstmal, warum man eigentlich gegen den Uhrzeigersinn schwimmt. Eine Antwort bekomme ich nicht, nur die Aussage, dass man in Australien mit dem Uhrzeigersinn schwimmt. Die Antwort ist 42, aber was war eigentlich die Frage?

Hi, ich bin Florian. Meinen Kaffee und meine Kleidung mag ich eher Schwarz. Ich schaue gerne in die Ferne, laufe ihr dabei auch mal ein Stück entgegen. Mehr von mir findet ihr auf Instagram.